Das Warten wollte kein Ende haben. Immer wieder kamen Autos jeglicher Größe. SF gibt an, eine Stunde vor Abfahrt schließt der Check-in. Es wurde 20:20 Uhr und die Fahrzeuge durften rein. Nicht wenige. 20:45 Uhr war es dann endlich soweit. Wir durften rückwärts rauf und standen in Top-Position. Um 21 Uhr sollte es losgehen und um 21 Uhr ging es los. Wir waren beim Abendessen, als die Musik ertönte. Die Überfahrt verlief problemlos. Kein spürbarer Wellengang. Halb 8 war die Ankunft geplant, 8 Minuten davor wurden die Motoren der Fähre ausgeschaltet und 8 Minuten nach halb 8 fuhren wir von Bord und waren auf der Insel. Angekommen waren wir aber noch nicht. Sicherlich gibt es Inseln, die man an einem Tag zu Fuß umrunden kann. Borkum zum Beispiel. Und in unseren Köpfen schwebt die einsame, idyllisch gelegene. Die meisten werden sich jetzt sagen: Sie kennen auch große Inseln, waren eventuell auch schon auf der größten Insel Deutschlands, der Insel Rügen. Also, ist man auf der Insel, dann ist man praktisch angekommen. Nein, mit Sardinien ist das nicht so. 24 × die Insel Rügen und man hat die Größe Sardiniens in etwa. Sardinien ist größer als Mecklenburg-Vorpommern und dieses Bundesland hat neben Festland mehrere Inseln im Angebot. Wir mussten also noch gute 250 Kilometer fahren, um von Golfo Aranci in etwa mittig an die Westküste zu kommen.

Zuerst aber Gino sein Frühstück und seine Bedürfnisse in Ruhe gegönnt. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom und so hat man auch viele Wege, die nach Oristano führen. Und alle sind schön. Ich bin die SS 131 dcn gefahren. Unser Frühstück nahmen wir unterhalb Budoni ein. Typisch italienisch: Croissant und einen Caffè Latte. Zusammen für uns beide 8 Euro (inkl. Trinkgeld). Es liegt halt direkt an der SS 131, und wenn man Lust hat, kann man dort ein wenig spazieren, den Berg hoch, um einen Blick auf die Ostküste zu haben. Verbrenner können tanken. Also kein Geheimtipp, ich mag es dort. (Im Übrigen: Ich verdiene mit meinen Tagebucheinträgen kein Geld.) Oristano war unser Ziel, bzw. Santa Giusta. Die Ladestationen gehören wohl schon zu Oristano. Im Superpan Wasser für den ganzen Tag und Vino für jetzt (wo ich schreibe) und später erworben. Nicht viel Vino, da ich ja meine Cantinen besuchen werde. Sonne und Wolken wechselten sich ab. Sardinien hat sich den Charme des frühen Sommers bereits zugelegt. Das Grün ist einem Beige gewichen. Halt wie im Sommer, wenn noch nichts verbrannt ist und die Landwirte aber fleißig Heu, und Stroh machen und der Straßendienst die Seitenränder vom wildwüchsigen Gepflanze befreit. So passierte es auf dem Weg nach Arborea. Drei Traktoren hintereinander, jeder machte eine andere Arbeit, dahinter noch Arbeiter, die „nacharbeiteten“ und vorneweg und am Ende ein Arbeiter mit grüner bzw. roter Kelle, die dem Verkehr die entsprechenden Signale sendeten. Viele kleine Seen gibt es noch. Dort suchten die Flamingos nach Futter. Hinfahre ich ja von der SS131 ab durch Santa Giusta. Zurück aber mittlerweile gerne über die Strasse, die zum Hafen von Oristano führt. Und beides hat seinen Charme. Durch Santa Giusta fahren bedeutet, Menschen zu sehen, die sich in Kaffees/Bars treffen, und sich austauschen, während man doch durch enge Straßen fährt. Und zurück ist es der Blick auf die Natur. Torre dei Corsari ist das Ziel. Dort das Hotel Belfiori.
Aber der Reihe nach. Nach Arborea geht es nach Marceddi. Die SS69 dort verläuft über einen Ponte von gut 900 Metern. Einspurig. Ja, es passen zwei Pkw’s nebeneinander, mit Spiegel einfahren. So hat man jetzt seit gut 1,5 Jahren eine Ampel installiert. Ein Schild weist darauf hin, dass es maximal 7 Minuten dauert, bis man grün erhält. Meist habe ich Pech und kann somit kontrollieren, ob das mit den 7 Minuten stimmt. Heute nicht. Es leuchtete grün und ich beeilte mich, dass die Farbe bestand hatte, als ich darunter vorbeifuhr. Warum ich das schreibe? Ab hier bin ich angekommen. Mit der Fahrt über den Ponte bin ich angekommen, auch wenn nun noch knappe 10 Kilometer zu fahren sind.

Auch in Torre dei Corsari ist man fleißig. Die Kanalisation wird erneuert und auch hier gibt es je einen Arbeiter mit rot/grüner Kelle. Wir bekamen wieder das gleiche Zimmer (inkl. Bad/WC) mit Blick auf die Costa Verde. Das Hotel ist eigentlich ein B&B mit integriertem Restaurant, welches aber nicht von den Inhabern des B&B betrieben wird. Somit ist eine Platzreservierung Pflicht. Habe ich bereits beim Laden des Tesla in Oristano über WhatsApp getan. Den Tag mit einem guten Essen inkl. gutem Wein ausklingen zu lassen (ohne noch einmal das Auto bewegen zu müssen), empfinde ich einfach als wundervoll. Was haben wir gegessen?:
Bombas al Vermentino(Polpette di Carne fatte in Casa con Salsa al Vermentino di Sardegna e crema di cipolla) dazu:
Pattatine Fritte (dünn geschnittene Kartoffelscheiben, handgemacht, und Insalata Pomodori. Dazu ein Glas Calice Tonaghe (Cannonau di Sardegna DOC Cantina Contini)
und als Dessert: Sebadas (Ripieno di Formaggio Pecorino Filante)
Es war lecker.